Am 20. Mai 2026 empfing Xi Jinping in Peking den russischen Praesidenten Wladimir Putin. Anlass war der 30. Jahrestag der strategischen Partnerschaft beider Staaten. Politisch wichtiger als die Jubilaeumsrhetorik war jedoch die Botschaft des Timings: Nur wenige Tage nach dem Trump-Xi-Gipfel in Peking demonstrierte China, dass Gespraeche mit Washington die Achse zu Moskau nicht aufweichen.
Update vom 2026-06-03: Der Text wurde sprachlich gestrafft und um den Blick auf die Folgewirkung des Gipfels ergaenzt.
Warum das Timing zaehlte
In derselben Stadt war kurz zuvor noch ueber Lieferketten, Exportkontrollen und den China-Zugang westlicher Konzerne verhandelt worden. Der Nvidia-Deal um H200-Beschleuniger stand exemplarisch fuer diese wirtschaftliche Oeffnung auf Probe. Der Putin-Besuch setzte dazu den geopolitischen Kontrapunkt: wirtschaftlich gespraechsbereit, strategisch weiter eng an Moskau.
Die gemeinsame Erklaerung transportierte vor allem drei Punkte:
- Abkehr von der Unipolaritaet: Beide Seiten stellten die von den USA gepraegte Nachkriegsordnung offen infrage.
- Mehr Koordinierung in Sicherheitsfragen: Russland und China rueckten bei NATO, Asien-Pazifik und Sanktionspolitik sichtbar enger zusammen.
- Langfristige Entkopplung im Handel: Energie, Infrastruktur und Zahlungsverkehr sollen staerker ohne US-Dollar und westliche Hebel organisiert werden.
Nahost-Signal zwischen Diplomatie und Abschreckung
Besonders aufschlussreich war die Passage zum Nahen Osten. Waerend Washington mit Phase 2 von "Project Freedom" den militaerischen Geleitschutz in der Strasse von Hormus ausweiten wollte, warben Putin und Xi fuer eine "regionale Sicherheitsarchitektur unter Einbeziehung aller Akteure". Diplomatisch klingt das offen. In der Lage vom 20. Mai war es aber vor allem als Warnung an die USA zu lesen, die Region nicht einseitig zu ordnen.
Was der Gipfel fuer Europa bedeutete
Fuer Berlin und Bruessel zerstoerte der Auftritt vor allem eine Hoffnung: dass Peking nach dem Trump-Besuch etwas mehr Abstand zu Moskau suchen koennte. Stattdessen zeigte China, dass es wirtschaftliche Gespraeche mit den USA und strategische Naehe zu Russland parallel fahren will.
Wie schnell daraus praktischer Druck fuer Deutschland wurde, zeigte kurz darauf auch der Peking-Besuch von Wirtschaftsministerin Reiche. Wer 2026 mit China handelt, muss gleichzeitig ueber Rohstoffe, Exportmaerkte, Sicherheitspolitik und Sanktionsrisiken sprechen. Genau diese Vermischung machte den Putin-Xi-Gipfel relevant.
Der Gipfel war damit weniger ein zeremonielles Jubilaeum als ein hartes Signal an Washington und Europa: Selbst wenn Peking bei Handel und Technologie verhandelt, bleibt die strategische Partnerschaft mit Moskau Teil seiner Weltordnungspolitik.