Berlin, 27. Mai 2026 – Nur einen Tag nach der Milliarden-Ankündigung zur Kernfusion hat die Bundesregierung heute den nächsten großen Pfeiler ihrer Industriestrategie eingeschlagen. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Kanzler Friedrich Merz (CDU) präsentierten im Bundeskanzleramt die detaillierten Roadmaps der „High-Tech-Agenda Deutschland“. Das Ziel ist klar definiert: Deutschland soll bis 2030 zum weltweit führenden Standort für Schlüsseltechnologien aufsteigen.

KI-Wachstum als ökonomischer Motor
Das Herzstück der Agenda ist der „KI-10-Prozent-Plan“. Bis zum Jahr 2030 sollen Aktivitäten im Bereich der Künstlichen Intelligenz ganze 10 Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung ausmachen. Ministerin Bär betonte, dass dies nicht nur durch Software-Entwicklung, sondern vor allem durch die Integration von KI in die industrielle Fertigung und den Mittelstand erreicht werden soll.
„Wir haben die Phase des bloßen Experimentierens hinter uns gelassen“, erklärte Bär während der Pressekonferenz. „In den kommenden vier Jahren werden wir 15 Milliarden Euro gezielt in die Skalierung von KI-Systemen 'Made in Germany' investieren, um unsere Abhängigkeit von außereuropäischen Plattformen zu reduzieren.“
Quantencomputing und Biotechnologie
Neben der KI setzt der Fahrplan klare Meilensteine in zwei weiteren Zukunftsfeldern:
- Quantencomputing: Bis 2030 will Deutschland mindestens zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer in den produktiven Betrieb nehmen. Diese sollen insbesondere in der Materialforschung und der Kryptographie eingesetzt werden.
- Biotechnologie: Die Regierung strebt an, dass bereits 2028 die erste Zulassung einer individuell zugeschnittenen mRNA-Krebsimmuntherapie in Deutschland erfolgt. Dies soll den Standort als globalen Hub für personalisierte Medizin festigen.
Demokratische Lieferketten und Halbleiter
Ein wichtiger strategischer Baustein der High-Tech-Agenda ist die Absicherung der Hardware-Basis. In diesem Zusammenhang lobte Kanzler Merz die Fortschritte beim Bau der TSMC-Halbleiterfabrik in Dresden. Die Kooperation mit Taiwan wurde heute von Regierungsvertretern als „Grundstein einer globalen demokratischen Lieferkette“ bezeichnet.
„Technologische Souveränität bedeutet nicht Autarkie, sondern verlässliche Partnerschaften mit Partnern, die unsere Werte teilen“, so Merz. Die Ansiedlung in Dresden sei essenziell, um die Versorgung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus mit hocheffizienten Chips langfristig zu garantieren.
Die Finanzierung: Ein Kraftakt für den Haushalt
Die Umsetzung der Agenda erfordert massive Investitionen. Trotz der jüngsten Niederlagen im Bundesrat bei der Entlastungsprämie signalisierten die Länderkammer und die Opposition bereits vorsichtige Unterstützung für die technologische Neuausrichtung. Der „Zukunftsfonds 2030“ soll durch eine Mischung aus Bundesmitteln, EU-Fördergeldern und privatem Kapital finanziert werden.
Kritiker mahnen jedoch, dass die ambitionierten Roadmaps nur mit einem massiven Bürokratieabbau und einer schnelleren Digitalisierung der Verwaltung gelingen können. Ministerin Bär versprach hierzu bis zum Sommer ein „Update des Planungsrechts für Hochtechnologie-Standorte“.
Mit der heutigen Vorstellung der Roadmaps hat die Regierung Merz den Kurs für die zweite Hälfte der Legislaturperiode abgesteckt. Ob die ehrgeizigen Ziele – insbesondere der 10-Prozent-Anteil der KI am BIP – realistisch sind, wird sich in den kommenden Haushaltsdebatten zeigen.