Deutschland setzt auf die Sonne: 2,4 Milliarden Euro für die Kernfusion
Berlin, 26. Mai 2026 – In einem historischen Schritt für die deutsche Forschungs- und Energiepolitik hat Bundesforschungsministerin Dorothee Bär heute Vormittag den Einstieg der Bundesrepublik in ein großangelegtes europäisches Fusions-Konsortium verkündet. Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 2,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 will Deutschland seine Position als führender Standort für Hochtechnologie zementieren und den Weg für eine CO2-freie Grundlastenergie der Zukunft ebnen.
Der "Mission Fusion" Pakt
Die Ankündigung erfolgte im Rahmen einer Pressekonferenz im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Laut Bär markiert dieser Tag den Übergang von der reinen Grundlagenforschung hin zur industriellen Anwendung.
"Wir hören auf, nur zu forschen, wie die Sonne funktioniert. Wir fangen an, sie auf die Erde zu holen", erklärte Bär vor den versammelten Pressevertretern.
Das Investitionspaket teilt sich in drei strategische Säulen auf:
- Infrastrukturausbau: 1,2 Milliarden Euro fließen in den Ausbau bestehender Testanlagen wie den Wendelstein 7-X in Greifswald.
- Technologietransfer: 800 Millionen Euro sind für die Förderung von Public-Private-Partnerships vorgesehen, um Start-ups im Bereich der Laser- und Magnetfusion zu unterstützen.
- Internationale Allianz: 400 Millionen Euro bilden den deutschen Beitrag zu einem neuen EU-Fusions-Netzwerk, das gemeinsam mit Frankreich und Italien koordiniert wird.
Das Ziel: Ein kommerzielles Kraftwerk bis 2040
Während internationale Projekte wie ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich seit Jahrzehnten an der Machbarkeit arbeiten, setzt die deutsche Strategie auf eine agilere Entwicklung. Das Ziel ist ambitioniert: Bis Ende der 2030er Jahre soll das weltweit erste funktionsfähige, kommerziell nutzbare Fusionskraftwerk auf deutschem Boden den Betrieb aufnehmen.
Experten sehen in der Kernfusion die "Heilige Gral" der Energiewende. Im Gegensatz zur Kernspaltung entstehen bei der Fusion kaum langlebige radioaktive Abfälle, und das Risiko einer Kernschmelze ist physikalisch ausgeschlossen.
KI und Hochleistungsmagnete als Enabler
Dass der Durchbruch gerade jetzt greifbar scheint, liegt vor allem an zwei technologischen Sprüngen der letzten 24 Monate. Zum einen ermöglichen neue Hochtemperatur-Supraleiter deutlich kompaktere und effizientere Magnetfelder zur Einschließung des 150 Millionen Grad heißen Plasmas. Zum anderen sorgt die Integration von Agentic AI für eine Echtzeit-Stabilisierung des Plasmas, die menschliche Operatoren oder klassische Algorithmen bisher nicht leisten konnten.
Warum jetzt?
Die Entscheidung der Merz-Regierung, diese Summe bereitzustellen, ist auch eine Reaktion auf die globalen geopolitischen Verschiebungen. Während die USA und China massiv in ihre eigenen Fusionsprogramme investieren, drohte Europa den Anschluss zu verlieren. "Technologische Souveränität ist die Voraussetzung für politische Souveränität", so Bär weiter.
Die deutsche Industrie, allen voran Siemens Energy und diverse spezialisierte Mittelständler, begrüßten die Entscheidung. Die Planungen für die Standortwahl einer neuen Pilotanlage sollen bereits im Frühjahr 2027 beginnen.
Fazit
Mit der "Mission Fusion" setzt Deutschland ein klares Zeichen: In einer Welt, die nach sauberer und unerschöpflicher Energie hungert, will die Bundesrepublik nicht nur Kunde, sondern Architekt der nächsten industriellen Revolution sein. Ob der ehrgeizige Zeitplan bis 2040 haltbar ist, bleibt abzuwarten – die finanzielle Weichenstellung dafür wurde heute jedoch unmissverständlich vollzogen.