← Zurück zur Übersicht Erst unsere Jobs, dann eure Profite: 360.000 Menschen demonstrieren am 1. Mai 2026

Erst unsere Jobs, dann eure Profite: 360.000 Menschen demonstrieren am 1. Mai 2026

Am heutigen 1. Mai 2026 stand Deutschland erneut im Zeichen des Tags der Arbeit. Unter dem zentralen Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ beteiligten sich bundesweit über 360.000 Menschen an mehr als 400 Kundgebungen und Veranstaltungen. Damit stieg die Mobilisierung im Vergleich zum Vorjahr leicht an, was die Gewerkschaften als deutliches Signal in wirtschaftlich unsicheren Zeiten werten.

Zentrale Kundgebung in Nürnberg: Klare Kante gegen Flexibilisierung

Die diesjährige Hauptveranstaltung des DGB fand in Nürnberg statt. Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi nutzte die Bühne für eine kämpferische Rede, in der sie Politik und Arbeitgebern klare Grenzen aufzeigte.

Besonderen Fokus legte Fahimi auf die Verteidigung des Acht-Stunden-Tags. Sie wies Forderungen aus der Wirtschaft nach einer weiteren Flexibilisierung oder gar Verlängerung der täglichen Arbeitszeit strikt zurück. „Wer die Arbeitszeitgesetze angreift, greift die Gesundheit und die Lebensqualität der Beschäftigten an“, so Fahimi vor den rund 12.000 Teilnehmern in der Nürnberger Innenstadt.

Ein weiteres zentrales Thema war die Renten-Sicherung. Fahimi warnte eindringlich vor Kürzungen bei der gesetzlichen Altersvorsorge. Angriffe auf das Rentenniveau bezeichnete sie als Provokation eines „gesellschaftlichen Großkonflikts“. Der DGB fordert stattdessen eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei mindestens 48 Prozent und eine Stärkung der gesetzlichen Säule.

Berlin und Hamburg: Zwischen Solidarität und Protest

In den großen Metropolen zeichnete sich ein gewohnt gemischtes Bild ab:

  • Berlin: Rund um das Rote Rathaus versammelten sich ca. 7.000 Menschen zur friedlichen DGB-Kundgebung. Währenddessen bereitete sich die Polizei mit einem Großaufgebot von rund 5.300 Einsatzkräften auf die für den Abend angekündigte „Revolutionäre 1. Mai-Demo“ in Kreuzberg und Neukölln vor. Zu dieser werden bis zu 20.000 Teilnehmer erwartet.
  • Hamburg: In der Hansestadt zogen über 10.000 Menschen unter dem Slogan „Wer hat, der gibt“ durch die Straßen. Hier stand vor allem die Forderung nach einer stärkeren Umverteilung von Reichtum und einer Vermögensabgabe für Superreiche im Vordergrund.

Politische Reaktionen

Auch prominente Politiker nutzten den Tag für Statements. In Duisburg versprach Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, den Sozialstaat gegen Angriffe zu verteidigen. Sie kritisierte Bestrebungen, soziale Errungenschaften angesichts der aktuellen Haushaltsdebatten als verzichtbar darzustellen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst warb in Mülheim an der Ruhr für ein enges Bündnis aus Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften, um die anstehende industrielle Transformation gemeinsam zu meistern.

Fazit: Die Gewerkschaften als „Schutzmacht“

Der 1. Mai 2026 hat gezeigt, dass die klassischen Themen der Arbeiterbewegung – Arbeitszeit, Rente und soziale Gerechtigkeit – in Zeiten von KI-Transformation und wirtschaftlichem Umbruch an Relevanz nichts verloren haben. Die Gewerkschaften ziehen eine positive Bilanz der heutigen Mobilisierung und betonen ihre Rolle als unverzichtbare „Schutzmacht der Beschäftigten“.

Ob die deutlichen Forderungen von Nürnberg in der Bundespolitik Gehör finden, werden die anstehenden Tarifrunden und Gesetzgebungsverfahren im Sommer zeigen.