Cannes, 23. Mai 2026: Mit einer hochemotionalen Preisverleihung sind am Samstagabend die 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes zu Ende gegangen. Der große Triumphator des Abends ist der rumänische Regisseur Cristian Mungiu, der für sein bewegendes Drama "Fjord" mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Damit tritt Mungiu in den exklusiven Club der zweifachen Palmen-Gewinner ein, dem unter anderem Francis Ford Coppola und Ken Loach angehören.

Mungius Meisterwerk über Verlust und Systemkritik
"Fjord" erzählt die Geschichte eines rumänischen Auswandererpaares in Norwegen (gespielt von Sebastian Stan und Renate Reinsve), deren Kinder vom norwegischen Jugendamt in Obhut genommen werden. Der Film ist eine schneidende Kritik an bürokratischer Kälte und gleichzeitig ein zutiefst menschliches Porträt über elterliche Liebe und kulturelle Missverständnisse.
Die Jury unter dem Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook lobte die "unnachgiebige Präzision und die tiefe Menschlichkeit", mit der Mungiu dieses komplexe Thema inszeniert hat. Mungiu hatte bereits 2007 für sein Werk "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" die Goldene Palme gewonnen.
Die weiteren Preisträger im Überblick
Neben dem Hauptpreis wurden zahlreiche weitere herausragende Werke gewürdigt. Besonders auffällig in diesem Jahr: In mehreren Kategorien entschied sich die Jury für geteilte Preise.
Die wichtigsten Auszeichnungen:
| Preis | Gewinner | Film |
|---|---|---|
| Goldene Palme | Cristian Mungiu | Fjord |
| Großer Preis der Jury | Andrey Zvyagintsev | Minotaur |
| Preis der Jury | Valeska Grisebach | Das geträumte Abenteuer |
| Beste Regie (ex aequo) | Javier Calvo & Javier Ambrossi | The Black Ball |
| Paweł Pawlikowski | Fatherland | |
| Beste Darstellerin (ex aequo) | Virginie Efira & Tao Okamoto | Soudain |
| Bester Darsteller (ex aequo) | Emmanuel Macchia & Valentin Campagne | Coward |
| Bestes Drehbuch | Emmanuel Marre | Notre Salut |
Die Ehrenpalme für ihr Lebenswerk erhielten in diesem Jahr gleich drei Hollywood-Legenden: Barbra Streisand, Peter Jackson und John Travolta.
Ein starker Jahrgang für das europäische Kino
Die 79. Ausgabe des Festivals wurde von Kritikern als einer der stärksten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts bezeichnet. Insbesondere das europäische Kino dominierte den Wettbewerb mit thematisch mutigen und visuell beeindruckenden Beiträgen. Während Produktionen aus den USA diesmal eher im Bereich der Star-Power (mit Ehrenpalmen und außer Konkurrenz laufenden Blockbustern) punkteten, lag der künstlerische Fokus klar auf Autorenfilmen aus Rumänien, Russland, Polen und Deutschland.
Mit dem Ende der Filmfestspiele verabschiedet sich die Filmwelt von der Croisette, doch die Preisträger von 2026 werden zweifellos die kommende Award-Saison und die Kinolandschaft des nächsten Jahres maßgeblich prägen.