WWDC26 Platforms State of the Union: Apple öffnet Siri 2.0 für Entwickler
Cupertino / Berlin, 9. Juni 2026, 12:00 Uhr CEST. Während die gestrige Keynote die großen Visionen von iOS 27 und Siri 2.0 "Campo" zeichnete, ging es heute Vormittag in der "Platforms State of the Union" ans Eingemachte. Apple hat die Werkzeuge vorgestellt, mit denen Drittanbieter-Apps Teil des neuen KI-Ökosystems werden. Die Botschaft ist klar: Apple will nicht nur eine eigene KI anbieten, sondern die Plattform sein, auf der alle KIs nahtlos zusammenarbeiten.
Siri Intelligence SDK: "App Intents" auf Steroiden
Die wichtigste Neuerung für Entwickler ist das Siri Intelligence SDK. Bisher waren Siri-Kurzbefehle oft statisch und fehleranfällig. Das neue SDK nutzt die Apple Intelligence Engine, um natürliche Sprache direkt in komplexe App-Aktionen zu übersetzen.
- Semantische Indizierung: Apps können nun ihre Inhalte (Dokumente, Nachrichten, Fotos) für Siri indizieren, ohne dass die Daten das Gerät verlassen. Siri "versteht" so den Kontext einer App.
- Action Orchestration: Siri kann nun Aktionen über mehrere Apps hinweg verketten. Ein Beispiel: "Siri, finde den Entwurf aus meiner Schreib-App, fass ihn zusammen und sende die Zusammenfassung per Slack an das Team-Channel."
- Interactive Feedback: Siri kann während einer Aktion Rückfragen stellen, die direkt aus der Logik der Drittanbieter-App stammen.
Swift AI: Lokale LLMs werden zum Standard
Mit Swift AI hat Apple ein neues Framework vorgestellt, das es Entwicklern extrem einfach macht, eigene Large Language Models (LLMs) lokal auf dem Gerät auszuführen.
Dank der Optimierung für den neuen M6-Chip und dessen Neural Engine 2.0 können Modelle wie Llama 4 oder Mistral Next mit minimalem Energieverbrauch ausgeführt werden. Apple liefert zudem ein "Core ML Conversion Tool" aus, das gängige Modelle mit einem Klick für die Apple-Hardware optimiert. Das Ziel: Weniger Cloud-Abhängigkeit, mehr Datenschutz.
visionOS 3: Räumliche Zusammenarbeit für alle
Für das Vision Pro Headset bringt visionOS 3 den Durchbruch für "Spatial Personas". Während diese bisher auf spezielle Apple-Apps beschränkt waren, können Entwickler sie nun in jede kollaborative App integrieren.
- 3D-Multitasking: Fenster können nun freier im Raum platziert und mit anderen Nutzern geteilt werden, als säße man am selben physischen Schreibtisch.
- Mac Virtual Display 2.0: Die Einbindung des Mac-Bildschirms in die Vision Pro unterstützt nun zwei virtuelle 4K-Monitore gleichzeitig – ein Feature, das sich viele professionelle Nutzer seit dem Start der Plattform gewünscht haben.
Apple Glass: Das "GlassKit" ist da
Eine Überraschung war die detaillierte Vorstellung von GlassKit, dem Framework für die gestern angeteaserte Apple Glass. Obwohl die Hardware erst Ende 2026 erscheint, können Entwickler ab heute mit dem Simulator in Xcode beginnen, "Lightweight AR"-Apps zu bauen.
Das Konzept unterscheidet sich grundlegend von der Vision Pro: Statt Immersion geht es um Informations-Layer. GlassKit ist darauf optimiert, minimale UI-Elemente wie Wegbeschreibungen, Echtzeit-Übersetzungen oder Benachrichtigungen stromsparend in das Sichtfeld zu projizieren. Die Rechenlast übernimmt dabei primär das gekoppelte iPhone.
Fazit: Die Plattform ist die Intelligenz
Die WWDC26 markiert den Moment, in dem Apple die Schleusen für die KI-Revolution im App Store öffnet. Durch die Kombination aus leistungsstarker Hardware (M6), tief integrierten SDKs und einem klaren Fokus auf On-Device-Verarbeitung schafft Apple ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz.
Für Nutzer bedeutet das: In den kommenden Monaten werden Apps deutlich proaktiver und intelligenter werden. Die Grenze zwischen dem Betriebssystem und den installierten Anwendungen verschwimmt zusehends – moderiert von einer Siri, die endlich hält, was sie vor 15 Jahren versprochen hat.
In den nächsten Tagen werden wir uns die einzelnen Beta-Versionen von iOS 27 und macOS 17 genauer ansehen und über erste Erfahrungen berichten.