Amazon sprengt Erwartungen: AWS und KI-Wetten treiben Rekordzahlen im ersten Quartal 2026
Stand: 30. April 2026, 04:00 Uhr CEST. Während die US-Börsen am Abend des 29. April 2026 schlossen, richteten sich alle Augen auf Seattle. Amazon hat seine offiziellen Zahlen für das erste Quartal 2026 (Q1) vorgelegt und dabei die Prognosen der Analysten in fast allen Kernbereichen übertroffen. Besonders auffällig: Das Cloud-Segment AWS wächst so schnell wie seit Jahren nicht mehr, und eine strategische Wette auf den KI-Pionier Anthropic zahlt sich nun auch bilanziell massiv aus.

Die nackten Zahlen: Umsatz- und Gewinnsprung
Amazon konnte den Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 181,5 Milliarden Dollar steigern. Damit liegt der Konzern deutlich über der Konsensschätzung von rund 178 Milliarden Dollar.
Der Nettogewinn stieg sogar noch dramatischer:
- Nettoergebnis: 30,3 Milliarden Dollar (Vorjahr: 17,1 Milliarden Dollar).
- Ergebnis je Aktie (EPS): 2,78 Dollar (Analystenschätzung: 1,62 Dollar).
Ein erheblicher Teil dieses Gewinnsprungs resultiert aus einem bewertungstechnischen Sondereffekt: Amazon verbuchte einen nicht realisierten Gewinn vor Steuern in Höhe von 16,8 Milliarden Dollar aus seiner Investition in Anthropic. Da Anthropic im März 2026 eine neue Finanzierungsrunde abschloss, die das Unternehmen mit über 380 Milliarden Dollar bewertete, musste Amazon seine Anteile in der Bilanz entsprechend nach oben korrigieren.
AWS als Wachstumsmotor: 28 Prozent Plus
Das Herzstück von Amazon, der Cloud-Dienst Amazon Web Services (AWS), meldete für das erste Quartal einen Umsatz von 37,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 28 Prozent im Jahresvergleich – der stärkste Zuwachs seit 15 Quartalen.
CEO Andy Jassy betonte im Earnings Call, dass dieses Wachstum primär durch die steigende Nachfrage nach generativer KI getrieben werde. Unternehmen migrieren nicht nur ihre Workloads in die Cloud, sondern nutzen AWS zunehmend als Basis für ihre eigenen KI-Agenten und Sprachmodelle.
Trainium: Die Emanzipation von NVIDIA
Ein strategischer Meilenstein, der im Quartalsbericht hervorgehoben wurde, ist der Erfolg der eigenen KI-Chips. Die Trainium-Sparte hat inzwischen eine annualisierte Umsatzrate von über 20 Milliarden Dollar erreicht.
- Trainium 3: Die neueste Chip-Generation, die Anfang 2026 in Serie ging, ist laut Amazon bereits jetzt für das gesamte Jahr "nahezu vollständig ausgebucht".
- Externe Verkäufe: Jassy deutete an, dass Amazon künftig nicht nur Kapazitäten vermieten, sondern komplette Trainium-Server-Racks direkt an Kunden verkaufen könnte, was den Konzern in direktere Konkurrenz zu Hardware-Giganten wie NVIDIA bringen würde.
Investitionen in die Zukunft: 200 Milliarden Dollar geplant
Trotz der Rekordgewinne bleibt Amazon im Angriffsmodus. Für das Gesamtjahr 2026 plant der Konzern Investitionsausgaben (Capital Expenditures) in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar. Allein in Q1 wurden 44 Milliarden Dollar ausgegeben – der Großteil davon floss in den Bau neuer Rechenzentren und die Anschaffung von KI-Infrastruktur.
„Wir stehen erst am Anfang der Transformation durch KI-Agenten im Enterprise-Sektor“, so Andy Jassy. „Unsere Investitionen spiegeln das Vertrauen wider, das unsere Kunden in die AWS-Infrastruktur setzen.“
Für Anleger und Tech-Beobachter ist die Botschaft des 30. April klar: Amazon ist nicht mehr nur der „Allesverkäufer“, sondern hat sich erfolgreich zum Infrastruktur-Rückgrat der weltweiten KI-Ökonomie transformiert.