← Zurück zur Übersicht UK-Regulator startet Microsoft-Pruefung: CMA nimmt Windows, Office, Teams und Copilot ins Visier

UK-Regulator startet Microsoft-Pruefung: CMA nimmt Windows, Office, Teams und Copilot ins Visier

Die britische CMA oeffnet die naechste grosse Tech-Akte gegen Microsoft

Stand: 15. Mai 2026, 16:00 Uhr CEST. Die britische Wettbewerbsbehoerde CMA hat am 14. Mai 2026 offiziell eine Strategic-Market-Status-Untersuchung (SMS) gegen Microsofts Business-Software-Oekosystem gestartet. Das ist keine Strafe und noch keine Feststellung eines Verstosses. Es ist aber ein klarer regulatorischer Schritt mit direkter Relevanz fuer Unternehmen, die taeglich auf Windows, Word, Excel, Teams und zunehmend Copilot setzen.

Der Kern der Nachricht: Die CMA will pruefen, ob Microsoft im britischen Markt fuer Unternehmenssoftware eine so starke und strategische Stellung hat, dass spaeter gezielte Auflagen oder Eingriffe moeglich werden. Laut Behoerde betrifft das nicht nur klassische Produktivitaetssoftware, sondern auch PC- und Server-Betriebssysteme, Datenbanksoftware und Security-Tools.

Was genau passiert ist

Die Untersuchung wurde am Donnerstag, 14. Mai 2026 veroefentlicht. Laut CMA ist es bereits die vierte SMS-Untersuchung seit Inkrafttreten des britischen Digitalmarkt-Regimes im Januar 2025. Die Behoerde begruendet den Schritt damit, dass Microsofts Oekosystem fuer die britische Wirtschaft eine ueberragende Rolle spielt: Offiziell ist von mehr als 15 Millionen kommerziellen Nutzern im Oekosystem die Rede.

Wichtig ist die Abgrenzung: Die CMA hat Microsoft nicht bereits als Unternehmen mit Strategic Market Status eingestuft. Zunaechst laeuft eine bis zu neun Monate lange Untersuchung. Erst danach faellt die Entscheidung, ob eine formale SMS-Designation erfolgt.

Warum die CMA jetzt eingreift

Die Behoerde nennt vier Problemfelder besonders deutlich:

  • Bundling: Ob Microsoft Produkte so koppelt, dass Wettbewerber schlechter zum Zug kommen.
  • Interoperabilitaet: Ob andere Anbieter ihre Software und KI-Dienste nur eingeschraenkt an Microsofts Arbeitsumgebung anbinden koennen.
  • Default-Einstellungen: Ob Voreinstellungen den Wechsel zu Alternativen unnoetig erschweren.
  • Cloud-Lizenzierung: Ob Microsofts Lizenzmodell den Wettbewerb im Cloud-Markt verengt.

Gerade der letzte Punkt ist politisch und wirtschaftlich brisant. Die CMA hatte bereits am 31. Maerz 2026 erklaert, dass eine spaetere SMS-Einstufung ein Weg waere, um offene Sorgen aus der frueheren Cloud-Marktuntersuchung anzugehen. Dort war Microsofts Umgang mit Software-Lizenzen als Wettbewerbsproblem fuer andere Cloud-Anbieter thematisiert worden.

Warum Copilot und KI hier ploetzlich eine groessere Rolle spielen

Die neue Untersuchung ist mehr als ein Nachspiel alter Office- oder Cloud-Debatten. Die CMA schreibt ausdruecklich, dass sich der Markt fuer Unternehmenssoftware gerade durch mehr KI-Funktionen und agentische KI stark veraendert. Genau deshalb will die Behoerde nicht erst reagieren, wenn neue Abhaengigkeiten voll aufgebaut sind.

Fuer die Wettbewerbshueter lautet die Kernfrage: Koennen Firmen kuenftig die besten KI-Werkzeuge verschiedener Anbieter frei mit ihrer bestehenden Arbeitsumgebung kombinieren, oder kippt der Markt noch staerker zugunsten der bereits dominierenden Suite?

Das macht den Fall ueber Microsoft hinaus relevant. Wenn KI-Assistenten, Agenten und Automatisierung immer tiefer in vertraute Produktivitaetssoftware eingebettet werden, entscheidet sich Wettbewerb nicht mehr nur ueber den einzelnen Chatbot. Entscheidend wird, wer Zugriff auf Standardarbeitsplaetze, Dateiformate, Voreinstellungen, Nutzerstroeme und Lizenzpakete kontrolliert.

Der offizielle Fahrplan

Die CMA hat bereits einen relativ klaren Zeitplan veroeffentlicht:

Datum Schritt
14. Mai 2026 Start der SMS-Untersuchung und Veroeffentlichung der Einladung zur Stellungnahme
4. Juni 2026 Frist fuer Rueckmeldungen von Unternehmen, Kunden und Wettbewerbern
Oktober 2026 Geplante Veroeffentlichung einer vorlaeufigen Entscheidung
November 2026 Ende der Konsultation zur vorlaeufigen Entscheidung
13. Februar 2027 Gesetzliche Frist fuer die finale SMS-Entscheidung

Damit ist der Fall kein abstraktes Fernziel, sondern ein Verfahren mit sichtbaren Etappen ueber die kommenden Monate.

Was ein SMS-Status fuer Microsoft bedeuten wuerde

Sollte Microsoft am Ende tatsaechlich mit Strategic Market Status eingestuft werden, haette die CMA deutlich schaerfere Werkzeuge. Laut offizieller Regime-Erklaerung koennte sie dann unter anderem:

  • Conduct Requirements festlegen, also konkrete Verhaltensregeln fuer Microsoft
  • Pro-Competition Interventions vorbereiten, wenn strukturelle Wettbewerbsprobleme nachgewiesen werden
  • bei Uebernahmen frueheren Einblick ueber zusaetzliche Meldepflichten erhalten

Wichtig bleibt aber: Auch eine moegliche SMS-Einstufung waere nicht automatisch ein Schuldspruch. Die CMA betont selbst, dass eine Designation kein Fehlverhalten voraussetzt, sondern zunaechst den regulatorischen Rahmen fuer gezielte Eingriffe schafft.

Microsofts bisherige Linie

Microsoft hat zur jetzt gestarteten Untersuchung auf seinen offiziellen Kanaelen bislang keine eigene neue Gegenmitteilung veroefentlicht, die direkt auf den Start vom 14. Mai reagiert. Allerdings hatte Brad Smith am 31. Maerz 2026 im Zusammenhang mit den britischen Cloud-Aenderungen bereits festgehalten, dass Microsoft weitere Pruefungen der CMA im Bereich Business Software erwartet und nach eigener Aussage konstruktiv und schnell mit der Behoerde zusammenarbeiten will.

Das ist fuer die Einordnung relevant, weil es zeigt: Microsoft wusste seit Wochen, dass sich der Konflikt nicht auf Cloud-Themen beschraenken wuerde.

Was das fuer Leser konkret bedeutet

Fuer IT-Teams, CIOs und Einkaufsverantwortliche ist der Fall vor allem deshalb wichtig, weil hier nicht ueber eine Randnische gestritten wird. Es geht um die Frage, ob Unternehmen kuenftig bei Office-Workflows, Betriebssystemen, Sicherheitswerkzeugen und KI-Assistenz wirklich frei kombinieren koennen oder ob technischer Komfort und Lizenzlogik sie immer staerker in einem Hersteller-Oekosystem halten.

Fuer Wettbewerber von Microsoft ist die Untersuchung eine seltene Chance, ihre Sicht noch vor einer formalen Einstufung einzubringen. Fuer Kunden bedeutet sie vor allem eines: Die Behoerde schaut sich jetzt genau an, wie Produktbuendel, Schnittstellen, Defaults und KI-Integration den Alltag im Unternehmen praegen.

Die naechste Marke ist bereits gesetzt. Bis 4. Juni 2026 sammelt die CMA Stellungnahmen. Spaetestens mit einer vorlaeufigen Entscheidung im Oktober 2026 wird klarer, ob aus dieser Untersuchung ein echter Eingriff in Microsofts Unternehmenssoftware-Geschaeft wird.

Quellen